The Game Changers – Filmbewertung

Sollte dieser Film wirklich unsere Sicht- und Ernährungsweise ändern oder ist hier für allem Sensationsgier im Spiel?

Nach meiner Story auf Instagram zum Film „The Game Changers“ wurde ich mit Fragen dazu bombardiert. In diesem Film geht es darum, dass eine vegane Ernährung eine Menge positiver Effekte mit sich bringt und zahlreiche erfolgreiche Sportler erst durch diese Ernährung zu Ihrer Stärke gefunden haben. Gleichzeitig werden die Gefahren des Fleischkonsums dar- bzw. gegenübergestellt.

 

Doch nun schauen wir mal hinter die Kulissen des Films und prüfen die Evidenz der genannten Studien, der gezeigten Fallbeispiele und auch, ob wir diesen Film überhaupt auf die deutsche Bevölkerung übertragen werden kann.

Mit Letzterem starten wir direkt. Ist die dargestellte Ernährungsweise, die als „Ist-Situation“ herangezogen wird, mit unserer Ernährung in Deutschland vergleichbar?

Die vorgestellten Sportler, an denen durch die Ernährungsumstellung, Verbesserungen gezeigt werden sollen, scheinen sich extrem minderwertig zu ernähren und einen täglichen bzw. reichlich Fleischkonsum zu haben. An was ich das festmache sind die Blutwerte. Die jungen Sportler bzw. aktiven Feuerwehrleute, die als Versuchspersonen ausgewählt wurden, zeigen stark erhöhte Cholesterinwerte auf. Cholesternwerte, in dieser Höhe entstehen entweder aufgrund einer genetischen Disposition und sind daher nur minimal bis gar nicht über die Ernährung zu beeinflussen oder über eine cholesterin- und zuckerreiche aber ballaststoffarme Ernährung über viele Jahre sowie zusätzlich kaum Bewegung. Doch wie ist es nun möglich, dass die ausgewählten Sportler solch miserable Werte aufweisen? Wenn diese Werte korrekt sind, kann es nur über eine massiv ungesunde Ernährungsweise kommen, die in dieser Form hierzulande kaum vorliegt.

Was erzeugt die positiven Effekte in den dargestellten Beispielen?

Einzig und alleine das Hinzufügen von Gemüse und eine daraus resultierende Reduktion des Fleischkonsums erzeugen diese positiven Effekte im Film. Natürlich sollte der Fleischkonsum nicht in den extremen Ausmaßen stattfinden, wie es im Film dargestellt wird. Jedoch gibt es keinerlei Einwände (die ethische Frage wird hierbei nicht einbezogen) und negative Effekte, wenn 1-2 Mal pro Woche qualitativ hochwertiges Fleisch gegessen wird. Die erfolgsversprechende Stellschraube ist der Konsum von viel Gemüse.

Wie sieht es mit der Evidenz, also der Qualität der genannten Studien aus?

Auch zu diesem Thema muss ich als Wissenschaftlerin Stellung nehmen. Denn aktuell wird häufig gesagt „XY ist durch Studien belegt“. Doch was bedeutet dieser Satz wirklich? Leider haben wir aktuell viel Pseuowissenschaft im Umlauf. Einige der genannten Studien sind entweder Case-Reports, also eine Studie, die an einer Person durchgeführt wurde und nur diesen einen Fall erklärt. Andere Studien sind zwar veröffentlicht worden, aber in kleinen nicht hochwertigen Journals, welche nach Artikeleinsendungen lechzen. Welche Studien jedoch nicht erwähnt wurden, sind großangelegte Studien aus hochwertigen Journals, die genau das Gegenteil in einigen Fällen belegen. Beispielsweise zeigen zahlreiche Studien, dass die Ernährung leider bei einer Hypercholesterinämie (also zu hohe Cholesterinwerte) kaum positive Effekte bewirken kann. 75-80 Prozent der Menschen sind Non-Responder, der Körper reagiert also nicht auf die Reduzierung des aufgenommenen Cholesterins. Grund hierfür ist, dass die Leber die körpereigene Cholesterinproduktion in diesem Fall einfach anpasst. Im Film werden reduzieren jedoch 2 Personen innerhalb von nur einer Woche ihren Cholesterinwert von ca. 270 auf 170.

Mein Fazit zum Film

Ein positiver Effekt des Filmes ist, dass Kohlenhydrate wieder in ein positiveres Licht gerückt wurden, da sogar ein Bodybuilder mit einer veganen, kohlenhydratreichen Ernährung erfolgreicher war, als seine Konkurrenten, die auf eine Kohlenhydratreduktion setzten. Gleichzeitig wird empfohlen sehr viel Gemüse aufzunehmen, was natürlich sehr gesund ist und demnach auch meiner Empfehlung entspricht. Doch das alleine hätte sicher nicht für eine Netflix-Ausstrahlung ausgereicht, sodass alles noch etwas ausgeschmückt werden musste. Fakt ist, man muss sich nicht vegan ernähren, wenn man erfolgreich und gesund sein möchte! Wer jedoch die vegane Ernährung nun für sich entdeckt hat, darf diese gerne weiter durchführen, aber sollte bitte auch gleichzeitig schauen alle Nährstoffe in ausreichender Menge aufzunehmen.

 

Eure

Dr. Katrin Stücher